Gewaltprävention
Formen der Gewalt

Gewaltprävention – was ist das? Um das zu erläutern, muss man definieren was Gewalt ist und wo sie beginnt.
Gewalt muss nicht zwangsläufig physischer Natur sein, sie fängt schon in der Sprache und im Verhalten eines Gegenübers an. Sie kann aktiv oder aber passiv sein. Sogenannte passive Agressivität nehmen wir häufig als ertwas „komisches“ wahr, als eine schwer zu definierende Unart, und wir fühlen uns in Gegenwart des Gegenübers unwohl. Häufig bemerken die Agressoren vielleicht selbst garnicht, wie sie auf jemanden wirken. Dazu gehört Gewahrsein, Selbstwahrnehmung, Kontrolle über seinen eigenen Geist und das Ausbilden verschiedener Tugenden. Die weltbekannten Shaolin-Mönche z. B. veraten uns mehr darüber, wie wir Tugenden geistig kultivieren können. Nobody is perfect, heisst es so schön. Doch wenn verbale Agressivität – sei sie passiv oder aktiv – zur Gewohnheit wird, dann tut man sich schlussendlich selbst nichts Gutes. Jeder – so bin ich überzeugt – wird früher oder später Konsequenzen in seinem Leben dadurch erfahren. Ich rate Abstand zu nehmen von Menschen, die sich ihres Handlungsmusters dauerhaft nicht bewusst sind. Man könnte zwar offen mit der betroffenen Person sprechen, wie sie wirkt. Nur aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass solche Konversationen nicht selten mit Uneinsicht, Ausreden und Ablenkung von der angebrachten Kritik enden. Das ist verpulverte Energie. Gerade, wenn man auf Ignoranten und Narzissten trifft. Dann lieber Wu-Wei praktizieren und „gehen“. Damit möchte ich keineswegs sagen, dass es niemals wert ist, ein Gespräch zu führen und zur „Cancel Culture“ zu neigen. Nur nicht dort, wo wir – aus der Erfahrung, aus unserem Feingefühl heraus – bemerkt haben, dass es nichts zum Positiven verändert, dass dort Verschlossenheit herrscht und Gegenbeschuldigungen aufkommen, statt Zuhören.
Klare Grenzen setzen
Kommt es in Interaktionen – denen man nicht ausweichen kann (z. B. auf dem Arbeitsplatz, Vereinen, Familientreffen usw.) – zu passiv-agressiven Situationen, Bevormundungen oder Kontakten mit Wichtigtuern, die sich über einen erheben, sodass die eigene Würde durch den Anderen nicht gewahrt wird, heisst es: direkt und persönlich ansprechen. Verstehe mich nicht falsch, wir dürfen miteinander kommunizieren und kritisieren. Das ist nur gut – gerade dort, wo wir als Menschen aufeinander treffen. Auch wir selbst liegen nicht immer richtig. Durch das Benennen und Sprechen können wir Missverständnissen und Misständen zuvor kommen. Aber „der Ton und die Art macht die Musik“. Also Tonart in der Stimme, sowie Wortwahl und Art der Kommunikation. Hier verweise ich wieder auf die menschlichen Tugenden, wie sie die Shaolins lehren. Sie können enorm bereichernd für uns und unsere Mitmenschen sein, und unser Leben, ohne uns dogmatisch zu belehren, leidloser machen.
Ein kleiner Einblick in diese Tugenden:
- Selbstbeherrschung
- Bescheidenheit
- Diziplin
- Wohlwollen
- Demut
- Rechtschaffenheit
- Vertrauen
- Respekt
- Loyalität
- Beständigkeit
- Wille
- Geduld
- Beharrlichkeit
- Mut
Wir Menschen sind komplexe Wesen, und so ist nicht mit jedem ein gleicher (immer ganz sanfter) kommunikativer Umgang erfolgreich. Da gehen die Meinungen und Erfahrungen aber auseinander und das ist okay. Manche treiben es sprichwörtlich so auf die Spitze, sodass es nötig sein kann „eine uverhandelbare Grenze zu setzen“. Sich dann wieder zu beruhigen, in seiner Mitte zu verweilen, und sich und dem Gegenüber eine erneute Chance in weiteren Begegnungsverläufen zu geben, das ist Teil der hohen Kunst der Selbstbeherrschung und des Wohlwollens. Das kann man üben, und unser Alltag – so ironisch es klingt – bietet dafür ein breites Spektrum an Möglichkeiten und „Trainingspartnern“. Auch das ist Gewaltprävention, da man seine Grenzen frühzeitige verdeutlicht, bevor es zu weiteren Übergriffen, Intrigen oder innerer Ablehnung kommt.
Ein weiterer Aspekt der häufig übersehen wird, ist der, dass Du dir selbst psychische Gewalt antust, wenn Du solchen Situationen nur ausweichst oder sie ständig nur erträgst. Da baut sich mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas auf in Dir. Das sind Frust, seelischer Schmerz, Unzufriedenheit und schlussendlich mangelndes Selbstvertrauen. Und warum? Weil Du der/den Situation(en) nicht begegnest und nicht deutlich und direkt kommunizierst, welchen Umgang mit Dir du in Zukunft nicht mehr möchtest und/oder was Du dir wünschst. Wenn man nie die direkte verbale Konfrontation praktiziert hat, fühlt sich das vielleicht zunächst unwohl an, ja es kann sogar Angst und Stress auslösen. Aber eines kann ich Dir versichern: Je öfter Du das tust und „Nein“ sagst – egal wer da vor Dir steht – je leichter wird es Dir fallen und je sicherer und selbstbewusster wirst Du dich fühlen. Das menschliche Gehirn braucht, neurologisch betrachtet, nur wenige Wochen um sich neu zu strukturieren und neue Verhaltensmuster zu erlernen – in jedem Alter!
Dazu sind lediglich 3 Praktiken notwendig:
1. Sieh Dich stets selbst: Bist Du denn weniger als andere wert? Hast Du weniger Rechte auf respektvollen Umgang? Hast Du weniger menschliche Bedeutung? Als wen siehst Dudich eigentlich?
2. Deine zweifelsfreie Entschlosenheit zu diesem neuen Umgang mit schwierigen und/oder verbal gewalttätigen Menschen.
3. Wiederholung: Sieh das Leben als überdimensionalen Traingsraum und nutze die Gelegenheiten, die er Dir bietet.
Ich weiss, das ist nicht immer einfach und kann schon sehr herausfordernd sein. Aber Du wirst bemerken: Es lohnt sich! Diese Praxis ist eine der notwendigen Wege, um eine gesunde Psyche und ein ausgeglichenes Inneres zu bewahren. Du wirst nicht immer auf Zustimmung Deines Weges treffen, da viele Menschen sich auf einem andern Pfad befinden. Aber schlussendlich bist Du verantwortlich für die Bewahrung Deines Wohlergehens und die Kultivierung eines gesunden Geistes.
Wenn manche Deiner Weggefährten dennoch Abneigungen gegen Dich hegen, ist es ihre Sache. Du hast jegliches Recht, Deine Grenzen abzustecken, Selbstführsorge zu betreiben, und eine respektvolle Kommunikation zu beanspruchen.
Und das wichtigste: Du musst nicht von jedem gemocht werden. Das ist okay.
Andererseits steht es ebenfals unsere Verantwortung, uns selbst zu beobachten. Sonst münden unsere vermeintlichen Tugenden in Eigenschaften wie Arroganz, Gleichgültigkeit, Selbstgerechtigkeit und Abgestumpftheit. Das ist die Kehrseite der Medaille. Der Mittlere Weg ist wohl der, der uns als Menschen eine der gesündesten Leitplanken gibt.
Ich wünsche Dir von Herzen Mut und Geduld mit Dir selbst.
Ein Fall für’s Dojo
Körperliche Gewalt ganz realistisch gesehen
In einer physischen Auseinandersetzung ist Gewaltprävention ein Fall fürs Dojo (Übungsraum). Denn anders wie im oben beschriebenen Alltag, mit der Möglichkeit zum täglichen Training, sind wir physischer/körperlicher Gewalt in unseren Breitengraden (meistens zumindest) weit aus weniger ausgesetzt – zum Glück. Aber wenn sie kommt, dann häufig sehr unerwartet und sie lässt sich leider nicht immer mit Kommunikationstechniken lösen. Dann sollte man „gute Antworten kennen“. Denn eben weil man sich damit nicht täglich beschäftigen muss, sind viele Menschen in einer solchen Situation völlig wehrlos, überwältigt oder reagieren unverhältnismässig über.
In einer realen Gefahrensituation durch andere, geht es um Körpersprache, um die richtige Reaktion zum richtigen Zeitpunkt, um Wachsamkeit und noch um einige Faktoren mehr. Ein äusserst dynamisches Feld. Als erfahrener Budoka, der selbst schon mehrfach in echte Gewalt verwickelt war, vermittele ich ein realistisches Bild solcher Ausnahmesituationen und wie wir ihnen begegnen können – sowohl mit Sprache als auch schonungslos mit Kampfkunst, wenn dies im Selbstverteidigungsfall notwendig wird.
Es ist zudem sehr wichtig, etwas über die Psychologie des Kampfes zu lernen und nicht nur zu wissen, wie man eine Atemi-Technik (Stoss- oder Tritttechnik) einsetzt. Die Lehrgänge bilden deswegen ein Gleichgewicht aus traditionellem Wissen, Kommunikation in drohenden körperlichen Gewaltsituationen, und Techniken der Kampfkünste. Damit Du anschliessend wirklich in der Lage bist, dich zu wehren.


